#mutterschiff

Abschied tut weh. Er ist 18 Jahre alt – erst oder schon, das ist relativ. Er gilt als vollwertiges Teammitglied der Kulturfabrik Löseke. Doch nun wird er gehen. Schweren Herzens haben wir uns entschlossen: Unser VW-Bus, auch liebevoll „Mutterschiff“ genannt, wird versteigert. Zum Abschied plaudern wir noch ein bisschen aus dem Nähkästchen …

Was hätten wir nur ohne diesen Bus gemacht, fragt sich Lisa Barchanski: „Für die Gastro war der Bus total wichtig: Einkäufe bei MIOS, Catering und alles, was dazu gehört, zu Außenveranstaltungen transportieren … das haben wir mit dem Mutterschiff gemacht. Immer wenn wir den Bus nach drei Tagen wieder abholen wollten, gab es diesen kurzen Moment des Luftanhaltens: Springt der Wagen noch an? Können wir alles wieder zurückfahren? Übrigens habe ich selbst keinen Führerschein und brauchte immer eine Person, die mich fährt. Das war anfangs schwierig, alle waren schwer beschäftigt. Doch bald habe ich sogar Anfragen bekommen, ob ich nicht mal wieder einkaufen fahren müsste, ob wir nicht mal wieder eine Tour machen könnten. Mit dem Mutterschiff wollten einfach alle mal fahren.“

Daher wurde der Bus sowohl offiziell als auch intern häufig verliehen. „Ich bin einer von denen, die mit dem Mutterschiff umgezogen sind.“ erzählt Philipp Klose. „Unser damaliger Technik-Azubi fuhr den Transporter für mich – das war leider keine gute Idee. Nicht nur, dass er völlig unbeirrt im absoluten Halteverbot geparkt hat. Nein, er ist beim Einparken auch noch volle Wucht gegen das Halteverbotsschild gefahren und sagte bloß: ‚Ach, auf die eine Beule mehr oder weniger kommt es
jetzt auch nicht an.‘“

Besprayt, getaggt und mit Stickern beklebt, Beule hier, Rost da – der Bus hat viele Wehwehchen. Niels Dettmann legt einen Bund mit fünf abgebrochenen Schlüsseln auf den Tisch. „Davon gibt es noch mehr. Ständig sind Zündschlüssel beim Starten im Schloss abgebrochen.“ Und Stefan Wehner stimmt ein: „Es ist leicht, mit dem Gefährt sehr unbequem zu fahren. Die Fahrersitzfläche neigt sich nach vorn und den Gaspedalfuß muss man immer leicht zurückhalten. Das ist enorm anstrengend auf langen Strecken. Verstellen lässt sich da nichts mehr. Aber auch schon bei Kurzstrecken ist die Schleuder eine absolute Zumutung: Unbequem, holprig und stickig. Ist halt ein ausdrückliches Raucherauto. Allerdings zieht man regelmäßig alle Blicke auf sich, wenn man auf den Platz fährt oder an der Ampel steht. Das macht die Möhre natürlich zur absoluten Hipsterkarre.“

Tobias Schlote durfte das Mutterschiff einmal mit Equipment nach Hannover fahren: „Ich war allein. Es hat geregnet. Und ich hatte all diese Gruselgeschichten im Kopf, dass der Transporter oft nicht anspringt oder auf halber Strecke liegen bleibt. Ich war die ganze Fahrt über aufgeregt. Aber es ist zum Glück nichts dergleichen passiert. Ein anderes Mal bin ich bis nach Braunschweig gefahren, wo ich zu der Zeit noch gewohnt habe. Der Bus stand dann über Nacht mitten in der Innenstadt in einem Wohngebiet. Zwischen all den kleinen PKWs sah er groß und monströs und irgendwie skurril aus.“

Ist das Mutterschiff also bloß ein Monster mit Macken? „Es ist einfach unser heißgeliebter Transporter.“, so Sonja Henneking. „Er ist viel rumgekommen und musste so ziemlich alles für uns befördern, was man sich vorstellen kann. Selbst bei Baumfällarbeiten mitten im Wald war er dabei! Mit ihm verlässt uns ein Stück KuFa-Geschichte und ich werde ihn, wie alle hier, auf jeden Fall sehr vermissen.“

Wenn unser Mutterschiff nun Dein Herz gewinnen konnte und Du dieses einmalige Exemplar Hildesheimer Kulturgeschichte ersteigern möchtest, sende Dein Gebot bis zum 30.09.2018, 23:53 MESZ, an mutterschiff@kufa.info – das Höchstgebot gewinnt.* Das Mutterschiff ist fahrbereit und wird wie gesehen verkauft. In letzter Zeit hat die Einspritzpumpe öfter gemeckert. Ansonsten sieht und merkt man dem Fahrzeug natürlich das reife Alter an.

VOLKSWAGEN LT 2DM
Diesel
Erstzulassung: 18.12.2000
Hubraum: 2461 cm³
KW: 80
Anhängerkupplung
Geschlossene Rückwand zur
Fahrerkabine
TÜV/AU bis 01/2019

*Wir behalten uns vor, bei entsprechendem Angebot den Bus vor Ablauf der Versteigerung zu verkaufen.